Der Griff der Angst in unsicheren Zeiten

Fühlst du dich überfordert mit der derzeitigen Corona-Krise?
Hast du Angst davor wie es zukünftig weitergehen wird?
Bist du sehr sensibel und reagierst voller Sorgen auf kursierende Nachrichten, Statistiken und Posts?

Du bist nicht alleine! In meinem Umfeld kenne ich keinen, der von der gegenwärtigen Situation nicht herausgefordert wird.

Die Macht der schwierigen Gefühle

Ängste, Unsicherheiten, Überforderung, Sorgen – kaum jemand hat diese Gefühle in den letzten Wochen nicht einmal erlebt. Viele von uns sind konfrontiert mit finanziellen Einbußen, beschränktem Bewegungs- und Handlungsraum, Unsicherheit wie lange diese Krise anhält, unzähligen Meinungen, Statistiken und Prognosen und der Frage, welche Wahrheiten wir für uns annehmen.

Unsere Gefühle in solch einer Krisensituation können sehr intensiv sein und uns an unsere Grenzen bringen. Viele von uns haben solch eine einschneidende Situation noch nie erlebt und wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen.

Auch ich kenne diese Gefühlsstürme und weiß um deren Macht. Wenn ich nicht dagegen steuere, können sie mich sehr leicht in eine Negativ-Spirale führen und mein konstruktives Denken und Handeln ziemlich einschränken, wenn nicht zeitweilig sogar außer Kraft setzen.

Lähmende Angst

Ob es sich um Überforderung, Sorgen oder Unsicherheit handelt, Angst ist dabei das Ur-Gefühl, was darunter verborgen liegt. Tatsächlich haben die mit Angst verbundene Gedankenaktivität und emotionalen Zuständen direkte körperliche Auswirkungen.

Wenn wir uns ängstigen, dann ist das sympathische Nervensystem auf „Kampf oder Flucht“ programmiert. Das ist auch gut so, denn in Gefahrensituationen reagiert unser System blitzartig, ohne dass wir bewusst darüber nachdenken müssen. Wenn Angst und Stress allerdings anhalten, kann sich das im Körper und in unserem Energiesystem manifestieren zum Beispiel als Verdauungsbeschwerden, Schlaflosigkeit, Anspannung und innere Unruhe.

Wir sprechen oft von lähmender Angst. Ein andauernder Gefühlszustand, in den wir unfähig sind, Entscheidungen zu treffen, positive Dinge wahrzunehmen oder kreative Lösungsmöglichkeiten zu finden. Alles fühlt sich eng an, schwierig und mitunter aussichtlos. Die gegenwärtige Krise fühlt sich für einige Menschen tatsächlich lebensbedrohend an.

Was uns jedoch oft nicht bewusst ist, dass wir uns selbst in dieser Angst-Spirale gefangen halten. Du hast vielleicht bemerkt, dass du dich jedes Mal sorgst, wenn du die steigenden Corona-Statistiken ansiehst. Du fühlst dich wahrscheinlich ebenso überfordert, wenn du täglich einander widersprechende Meinungen hörst und dich unfähig fühlst zu entscheiden, wem du glauben sollst. Du leidest mit, wenn du über schwere Schicksalsschläge hörst und fürchtest, so etwas könnte einem geliebten Menschen in deinem Umfeld – oder dir selbst – ebenfalls passieren. Oder du sorgst dich um deinen Job und fehlende Einnahmen. All das kann zurzeit geballt auftreten und täglich, wenn nicht sogar stündlich unsere Gedanken besetzen. Wenn wir nicht dagegenhalten, kann es sehr leicht passieren, dass wir uns in dieser Mühle von Sorgen und Ängsten verlieren und sowohl unsere Seele als auch unser Körper enorm darunter leiden. Wie oft bist du du im Laufe des Tages in negativen Gedanken gefangen?

Solltest du unter schweren Angststörungen, einem Trauma oder Panik-Attacken leiden, dann suche dir professionelle Hilfe. Finde einen Therapeuten, der dir sowohl akut als auch langfristig hilft, daran zu arbeiten.

Bewusste Wahrnehmung   

Es ist wichtig zwischen Angst und Wachsamkeit bzw. Vorsicht zu unterscheiden. Ist dein Leben konkret gefährdet? Wo ist Wachsamkeit und Vorsicht angebracht? In welchen Bereichen oder Situationen merkst du, dass dich der Griff der Angst gefangen hält und dich lähmt?  

Wir müssen uns darüber bewusstwerden, wo die Angst überhandnimmt und unser Leben unnötigerweise beeinträchtigt. Dies fängt dabei an, dass wir uns unserer Gedanken bewusstwerden, die im Laufe des Tages durch unser Geist ziehen. Und wir können unser Innenleben weiter beleuchten, in dem uns klar wird, wie eng unsere Gedankenaktivität mit Gefühlen und körperlichen Zuständen zusammenhängen. Vielleicht hast du bereits einmal bemerkt, wie sich nach einer negativen Nachricht automatisch viel mehr negative Gedanken breit machen und sich das in einem Unruhegefühl und Anspannung in deinem Körper bemerkbar macht, und das noch lange nachdem du die eigentliche Nachricht gelesen hast. Die ursprüngliche Nachricht ist wie ein Trigger, der einen ganzen Mechanismus von Gedanken, Emotionen und Empfindungen in Bewegung setzt.

Das Bewusstmachen ist bereits der erste Schritt, um dich aus dem Griff der Angst und ihren Folgen zu lösen. Dabei ist es wichtig, dass du dich für deine Angst nicht verurteilst, sondern sie zuerst einmal so wahrnimmst und akzeptierst, wie sie sich zeigt. Dies ist der Anfang, um etwas mehr Raum zu schaffen, damit du dich von der Angst nicht mehr überwältigt fühlst und lernst, konstruktiv damit umzugehen.

Gegensteuern

Es gibt keine Patentlösung, wie du dich aus der Angst befreien kannst. Und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass du immer wieder mit herausfordernden Gefühlen konfrontiert wirst. Es liegt jedoch an dir, wie gut und schnell du dich aus einer negativen Gefühlslage wieder herausmanövrieren kannst.

Finde deine ganz eigenen neue Gewohnheiten, Affirmationen, Aktivitäten und Mechanismen, die dir guttun. Du kennst dich am besten und musst selbst herausfinden, was funktioniert. Dies können kurzfristige Maßnahmen sein, wie zum Beispiel den täglichen Medienkonsum zu beschränken, aber auch langfristige Arbeit an dir selbst, wenn zum Beispiel deine Trigger und wiederkehrenden Herausforderungen von limitierenden Glaubenssätzen herrühren, die dich immer wieder in ähnlichen Angst-Mustern gefangen halten.

Was kannst du kurzfristig tun, um wieder in Balance zu kommen?

  • Limitiere deinen täglichen Medienkonsum. Die Welt geht nicht unter, wenn du mal 8 Stunden nicht auf dein Handy schaust, den Fernseher nicht dauernd im Hintergrund laufen lässt und deine e-Mails nur ein Mal am Tag checkst. So hältst du dich von einem Überfluss an Informationen fern, die deine Angst noch mehr fördern können.
  • Praktiziere regelmäßig Achtsamkeitstechniken oder Meditation. Achtsamkeit wird sich nach und nach immer mehr auch außerhalb deiner Meditationszeiten auf den Alltag übertragen, so dass du insgesamt bewusster und klarer wirst. Somit schaffst du etwas mehr Raum um deine Gefühle herum.  
  • Tue deinem Körper Gutes mit regelmäßiger Bewegung, Spaziergängen, Yoga, Jogging, Gymnastik oder was immer sich für dich gut anfühlt und sich gut in deinen Alltag integrieren lässt.
  • Führe jeden Tag ein Dankbarkeits-Tagebuch, in dem du dir mindestens drei Dinge notierst, für die du an diesem Tag dankbar bist, zum Beispiel die freundliche Kassiererin, ein nettes Telefongespräch, eine schöne Blume am Wegesrand… Fokussiere dich auf positive Dinge, die jeden Tag in deinem Leben präsent sind.  
  • Bitte um Hilfe, wenn es dir nicht gut geht. Es ist nichts verkehrt daran, wenn du einen guten Freund, eine Freundin oder ein Familienmitglied bittest, dir einfach nur zuzuhören. Manchmal genügt es schon, sich das von der Seele zu reden, was einen gerade plagt. Und es tut gut, Feedback und Unterstützung zu erhalten und gegebenenfalls auch eine andere Perspektive zu hören.
  • Suche ganz bewusst den inspirierenden Kontakt mit Menschen, bei denen du dich gut fühlst. Es gibt tatsächlich sehr viele Menschen, die so negativ drauf sind, dass uns das herunterziehen kann. Spüre, welche Kontakte dir guttun, und welche du gegebenenfalls für eine Zeit lang meiden möchtest, bis du dich wieder stabiler fühlst.
  • Achte auf ausgewogene, gesunde Ernährung. Gerade wenn du oft zu Hause bist und dazu tendierst aus Langeweile zu essen, oder wenn du zu den Stress- oder Frust-Essern gehörst, ist es notwendig, deine Essgewohnheiten zu beobachten und zu hinterfragen. Werde dir klar darüber, warum, wann und wie du isst. Belaste einen Körper nicht noch mehr, in dem du ungesund oder zu viel isst.
  • Finde positive Affirmationen, die du jeden Tag wiederholst, zum Beispiel: „Ich bin sicher und gesund.“ „Ich kann ohne unnötige Ängste wachsam sein und für mich sorgen.“ „Ich bin wertvoll und gut genug.“ „Ich fokussiere mich auf all das Positive in meinem Leben.“ Die Affirmationen wirken noch besser, wenn du sie dir in einem entspannten Zustand regelmäßig wiederholst.
  • Gehe regelmäßig raus in die Natur, um dich zu erden. Anstatt weiter zu grübeln, während du spazieren gehst oder auf einer Parkbank sitzt, nimm ganz bewusst die Schönheit und Perfektion der Natur um dich herum mit allen Sinnen wahr. Was hörst, riechst, fühlst, schmeckst und siehst du im jetzigen Moment?
  • Fokussiere dich auf Lösungen anstatt Probleme. Jede Krise birgt Wachstumsmöglichkeiten. Was kannst du aus dieser Situation lernen? Wie kannst du daran wachsen? Welche Talente und Eigenschaften kannst du einbringen, damit du gestärkt aus der Krise hervorgehst? Was möchtest du mit deiner Zeit kreativ anfangen? Was inspiriert dich? Nutze die geschenkte Zeit, um dir grundlegende Fragen zu stellen und um dir den bestmöglichen Ausgang dieser Situation auszumalen.
  • Entspanne dich mit beruhigender Musik, Kamillentee, Zeiten des Nichtstuns, Entspannungsübungen wie Yoga Nidra oder Progressive Muskelentspannung und genügend Schlaf. Sobald sich dein Körper entspannt, beruhigt sich auch dein Nervensystem. Der Körper kann dann erst regenerieren und seine Abwehrkräfte optimal einsetzen.
  • Baue Rituale und Struktur in deinen Alltag ein. Schaffe tägliche Ankerpunkte, die dir Halt geben. Das kann ein Gebet sein, in Ruhe eine Tasse Tee zu trinken bevor du in den Tag startest, eine kurze Entspannungseinheit in der Mittagspause oder am Abend dein Dankbarkeitstagebuch führen. Finde etwas, was dich inspiriert und das du regelmäßig in deinen Alltag einbauen möchtest.  

Du selbst trägst die Verantwortung für dein Wohlbefinden. Werde dir darüber bewusst, dass du kein Opfer deiner Gefühle bist. Je mehr du dich mit deiner Essenz verbindest und realisierst, dass du mehr als deine Gedanken und Gefühle bist, desto klarer und proaktiver kannst du Herausforderungen meistern.

Manchmal ist es erst nach einer durchlaufenen Krise, dass du den höheren Sinn und das Gute darin erkennst. Dies ist allerdings eine Einladung, dass du bereits inmitten der Krise und in Zeiten von Unsicherheit deinen Fokus immer wieder auf das Positive lenkst, anstatt in einer negativen Spirale gefangen zu bleiben. Mögen dir diese Worte und Handlungsvorschläge helfen um mental, emotional und körperlich wieder in Balance zu kommen.

Schreibe einen Kommentar